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11. Was können Eltern tun?

Wenn Ihr Kind in der Familie Verhaltensauffälligkeiten zeigt, dann ist es wichtig, in der Familie etwas zu unternehmen und zu verändern. Sie können das in die eigene Hand nehmen oder Sie können dazu die Hilfe von "Profis" in Anspruch nehmen.

Wenn Sie die Hilfe eines Arztes oder Psychologen aufsuchen, dann wird er mit Ihnen gemeinsam überlegen, welche Schritte Sie in der Familie umsetzen können. Von der Vorstellung, man könne das Kind zu einem Therapeuten geben, der dann mit dem Kind in seinen vier Wänden eine Behandlung durchführt, damit das Kind danach keine Probleme mehr macht, sollten Sie sich verabschieden.

Wenn Sie aus eigener Kraft etwas tun wollen, dann können ausführlichere Ratgeber und Selbsthilfeprogramme hilfreich sein. An dieser Stelle können nur die wichtigsten Grundprinzipien vorgestellt werden, die in unserem Ratgeber Hyperkinetische Störungen (Döpfner, Frölich & Lehmkuhl, 2000) etwas ausführlicher beschrieben sind. Ein umfassendes Selbsthilfeprogramm, in dem die Eltern Schritt für Schritt angeleitet werden, ist Wackelpeter und Trotzkopf (Döpfner, Schürmann & Lehmkuhl, 2000).

8 Grundprinzipien, die Eltern im Umgang mit ADHS-Kindern beachten sollten:

  1. Tun Sie etwas für sich selbst! Kinder mit ADHS sind sehr anstrengend und erfordern von den Eltern unendlich viel Kraft. Um diese Kraft immer wieder neu schöpfen zu können, dürfen Sie Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse nicht völlig vernachlässigen. Überlegen Sie deshalb, wie Sie sich entspannen können, wie Sie sich selbst etwas Gutes tun können und auf welche Weise Sie sich entlasten können.
  2. Versuchen Sie nicht, perfekt zu sein! Sie sollten sich immer bewusst sein, dass Fehler in der Erziehung das normalste auf der Welt sind und niemand perfekt sein kann. Versuchen Sie, die folgenden Prinzipien so gut es geht zu beachten und hadern Sie nicht mit sich selbst, wenn es Ihnen nicht immer so gut gelingt.
  3. Stärken Sie die positive Beziehung zu Ihrem Kind! Häufig ist die Eltern-Kind-Beziehung so sehr belastet ist, dass positive Erfahrungen kaum noch möglich sind. Deswegen ist es sehr wichtig, dass Sie sich bemühen, die positiven Anteile in Ihrer Beziehung wieder stärker zum Vorschein kommen zu lassen. Das ist einfacher gesagt als getan! Versuchen Sie so häufig wie möglich, Ihrem Kind etwas Positives zu sagen, ihm zu zeigen, worüber Sie sich freuen und dass Sie es mögen. Verbringen Sie angenehme Zeit miteinander; spielen Sie miteinander!
  4. Stellen Sie klare Regeln auf! Kinder mit ADHS können sich selbst nicht so gut steuern, wie das anderen Kindern möglich ist. Deshalb müssen die Eltern diese Kinder mehr lenken, als das sonst notwendig ist. Ein wichtiges Mittel dabei sind möglichst klare Regeln, an die das Kind sich halten soll. Regeln geben Halt, Orientierung und Sicherheit. Legen Sie nur Regeln fest, für deren Einhaltung Sie auch sorgen können.
  5. Loben Sie Ihr Kind häufig und unmittelbar! Loben Sie Ihr Kind immer dann, wenn es etwas gut gemacht hat und vor allem dann, wenn es Regeln einhält. Bedenken Sie, dass es Ihrem Kind schwerer als anderen Kindern fällt, Regeln einzuhalten.
  6. Seien Sie konsequent! Wenn Sie Ihr Kind regelmäßig dafür loben, dass es sich an die vereinbarten Regeln hält, dann haben Sie auch das Recht, immer dann eine negative Konsequenz folgen zu lassen, wenn es sich nicht an diese Regeln hält. Die Konsequenzen müssen nicht hart sein, viel wichtiger ist es, dass sie immer erfolgen, wenn das Kind die Regeln übertritt. Überlegen Sie für jede Regel, die Ihnen wichtig ist, welche Konsequenz Sie erfolgen lassen können, falls das Kind die Regel nicht beachtet.
  7. Versuchen Sie, die Probleme vorherzusehen! Als Eltern wissen Sie, welche Situationen mit Ihrem Kind besonders häufig problematisch sind. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber in einer ruhigen Minute und vereinbaren Sie mit ihm, dass Sie es immer kurz vorher an die drei wichtigsten Regeln erinnern.
  8. Bleiben Sie möglichst gelassen! Kinder mit ADHS zu erziehen, ist Schwerstarbeit! Daher bleibt es auch nicht aus, dass Eltern gelegentlich verzweifelt oder wütend reagieren. Vielen Eltern hilft es, wenn Sie sich in kritischen Situationen immer wieder vor Augen führen, dass Ihr Kind eine Beeinträchtigung hat, die es im schwer macht, so zu reagieren wie andere Kinder. Bleiben Sie also so ruhig wie möglich!

Diese Regeln sind sehr einfach, aber es ist sehr schwer, sie im Alltag umzusetzen. Wenn Sie große Probleme mit der Anwendung dieser Prinzipien haben, dann sollten Sie einen Therapeuten suchen, der mit Ihnen die konkrete Umsetzung erarbeiten kann.

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