Home   FAQ   Kontakt   Impressum

11. Was können Lehrer tun?

In den genannten Teufelskreis geraten nicht nur die Eltern mit ihren Kindern, auch in der Schule dreht sich dieser Teufelskreis häufig sehr heftig: Die Lehrerin ermahnt ständig das Kind, wird schließlich ärgerlich und weiß nicht mehr, was sie tun soll. Wenn es dem Kind aber gelegentlich gelingt, den Aufforderungen der Lehrerin nachzukommen, dann ist die Lehrerin so froh darüber, dass sie jetzt endlich wieder mit dem Unterricht weitermachen kann und kommt deshalb kaum dazu, das Kind zu loben und ihm ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Auf die individuellen Bedürfnisse von Kindern mit ADHS einzugehen, ist besonders schwer, wenn man daran denkt, dass in einer Klasse häufig mehrere Problemkinder sitzen. Dennoch können die folgenden Grundprinzipien hilfreich sein. Ausführlichere Hilfen können den bereits genannten umfassenderen Ratgebern entnommen werden.

11 Grundprinzipien, die Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit ADHS-Schülern beachten sollten

  1. Bleiben Sie gelassen! Bleiben Sie gelassen! ADHS-Kinder in der Klasse zu unterrichten, ist Schwerstarbeit! Versuchen Sie immer daran zu denken, dass das Kind an einer spezifischen organisch mitbedingten Einschränkung seiner Fähigkeiten leidet und deshalb spezieller pädagogischer Unterstützung und Förderung bedarf. Dies kann Ihnen dabei helfen, einen professionellen inneren Abstand zu bewahren und auch in Situationen ruhig zu reagieren, in denen es schwer fällt. Seien Sie aber auch nachsichtig mit sich selbst und erwarten sie nicht, dass Sie immer in allen Situationen pädagogisch perfekt handeln.
  2. Überprüfen Sie die Zusammensetzung der Klasse. Obwohl ADHS- Kinder einen Bedarf an speziellen pädagogischen Maßnahmen haben, müssen sie nicht automatisch in einer Sonder- oder Förderschule beschult werden. Bevor ein solcher Schritt gemacht wird, sollten alle anderen pädagogischen und therapeutischen Maßnahmen ausgeschöpft werden. Prinzipiell ist es hilfreich, wenn die Kinder in Klassen mit einer möglichst geringen Klassenstärke oder auch in einer Integrationsklasse beschult werden. Außerdem sollte die Anzahl anderer Problemkinder in der Klasse begrenzt sein.
  3. Überprüfen Sie die Organisation des Klassenzimmers. Überprüfen Sie, ob das Kind in der Klasse an einem günstigen Platz sitzt. Im Allgemeinen ist es für ADHS-Kinder günstiger, relativ weit vorne in der Klasse zu sitzen, so dass die Ablenkungsmöglichkeiten gering sind und die Lehrerin relativ schnell direkt beim Kind sein kann. Das Kind sollte auch nicht neben anderen unruhigen Kindern sitzen.
  4. Gestalten Sie den Unterricht möglichst strukturiert und abwechslungsreich. Bedenken Sie, dass es den Kindern an Selbststeuerungsfähigkeit fehlt und dass sie deshalb mehr und nicht weniger Außensteuerung brauchen. Dennoch sollten die einzelnen Lerneinheiten möglich kompakt und kurz gehalten werden und Sie sollten auf einen Wechsel verschiedener didaktischer Mittel und Unterrichtsaktivitäten achten, ohne dass dabei zu viel Unruhe aufkommt.
  5. Stärken Sie Ihre positive Beziehung zum Schüler. Häufig ist die Lehrer-Schüler-Beziehung sehr belastet und positiven Anteile und Erfahrungen können kaum noch wahrgenommen werden. Deswegen ist es sehr wichtig, dass Sie sich bemühen, die positiven Anteile in Ihrer Beziehung wieder stärker zum Vorschein kommen zu lassen. Denken Sie immer daran, dass der Schüler aufgrund von ADHS gerade im Unterricht eingeschränkt ist und wesentlich mehr Kraft und Anstrengung aufbringen muss, um Anforderungen zu bewältigen, die für andere selbstverständlich sind. Überlegen Sie, in welchen Situationen Sie mit dem Schüler für kurze Zeit alleine sprechen können, um ihm seine positiven Verhaltensansätze zurückzumelden.
  6. Sprechen Sie die Probleme an. Meist ist es sinnvoll, dass Sie nicht nur mit dem Schüler, sondern auch mit der gesamten Klasse über die Probleme des Schülers sprechen. Wenn man der Klasse deutlich machen kann, dass die beeinträchtigte Fähigkeit zu ruhigem, konzentriertem und ausdauerndem Verhalten eine Einschränkung für den Schüler ist, so wie manche andere Kinder in der Klasse andere Einschränkungen haben (nicht gut sehen können oder im Sport nicht so gut sind), dann kann man den Schüler einerseits entlasten und ihn andererseits auch motivieren sich besonders anzustrengen. Achten Sie aber darauf, dass der Schüler ein solches Gespräch nicht als beschämend erlebt.
  7. Stellen Sie klare Regeln auf. Besprechen sie mit der ganzen Klasse allgemeine Klassenregeln, die für alle gelten. Legen Sie nur Regeln fest, für deren Einhaltung Sie auch sorgen können. Sie sollten sich sowohl positive Konsequenzen überlegen, die erfolgen, wenn die Regeln eingehalten werden, als auch negative Konsequenzen bei Regelverstoß. Mit dem ADHS-Schüler können Sie zusätzlich maximal zwei Sonderregeln vereinbaren (z.B. auf dem Platz sitzen bleiben), bei deren Beachtung auch Sonderbelohnungen erfolgen.
  8. Loben Sie den Schüler häufig und unmittelbar. Loben Sie den Schüler, immer dann, wenn es etwas gut gemacht hat und vor allem dann, wenn er die vereinbarten Regeln einhält. Bei ADHS-Kindern kann das Verhalten weniger als bei anderen Kindern durch gelegentliches oder verzögertes Lob beeinflusst werden. Deshalb ist eine häufige und unmittelbare Zuwendung wichtig. Als Belohnung können Sie auch Stempel-Bilder oder auch ein Punkte-System verwenden.
  9. Seien Sie konsequent. Erwarten Sie nicht, dass Kinder nur aufgrund von Einsicht Regeln einhalten. Die negativen Konsequenzen sollten unmittelbar auf das Problemverhalten erfolgen und nicht erst Stunden später. Im Klassenverband ist es häufig schwer, angemessene und schnell anwendbare negative Konsequenzen zu finden.
  10. Leiten Sie das Kind zur Selbstkontrolle an. Ältere Schüler (etwa ab der vierten Klasse Grundschule) können zur Beobachtung der eigenen Probleme und zur Selbstkontrolle angeleitet werden. Erarbeiten Sie mit dem Schüler wenige klare konkrete Regeln (z.B. melden und nicht dazwischen rufen; Hausaufgabenheft führen). Geben Sie ihm regelmäßig Rückmeldung dafür geben, wie gut es ihm gelungen ist, diese gemeinsam erarbeitete Regeln umzusetzen.
  11. Halten Sie einen engen Kontakt zu den Eltern. Versuchen Sie, mit den Eltern in einen regelmäßigen Austausch zu treten. Besprechen Sie mit den Eltern möglichst klar die auftretenden Probleme. Versuchen Sie, mit den Eltern zu gemeinsamen Problemlösungen zu gelangen, vermeiden Sie dabei eine Haltung, die von den Eltern als vorwurfsvoll wahrgenommen werden könnte und die Eltern nur dazu bewegt, sich schützend vor Ihr Kind zu stellen, anstatt gemeinsam an einer Lösung der Probleme zu arbeiten.

Wenn Sie den Eindruck gewinnen, dass die Probleme nicht ohne therapeutische Hilfe bewältigt werden können, dann empfehlen Sie den Eltern, das Kind zur weiteren Abklärung und Hilfe bei dem schulpsychologischen Dienst, einem verhaltenstherapeutisch arbeitenden Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, einem Kinderarzt, der sich in der Problematik gut auskennt, oder einem Kinder- und Jugendpsychiater vorzustellen.

zurück